Helmholtz Forschungsakademie Hessen für FAIR

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Trauer um zwei Wegbereiter der HFHF

In den letzten Monaten verstarben zwei Wegbereiter der Helmholtz Forschungsakademie Hessen für FAIR. Auch wenn beide nicht aktiv in der HFHF tätig waren, so wäre die Forschung, die in der Akademie gemacht wird, nicht ohne sie denkbar gewesen. 

Da das Wirken beider untrennbar mit der GSI verknüpft sind übernehmen wir hier die Trauerbekundungen ihrer Kolleginnen und Kollegen und schliessen uns vollumfänglich an. Die Physik hat zwei hervorragende Wissenschaftler, kluge Köpfe und prägende Persönlichkeiten verloren. 

GSI und FAIR trauern um einen herausragenden Wissenschaftler und Pionier der Kernphysik, der die kernphysikalische Forschung am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung über Jahrzehnte geprägt hat. Der ehemalige GSI-Bereichsleiter Professor Dr. Gottfried Münzenberg ist am 2. Januar 2024 im Alter von 83 Jahren verstorben.

Gottfried Münzenberg hatte großen Einfluss auf verschiedene Bereiche der modernen Kernphysik und hinterlässt ein bedeutendes wissenschaftliches Erbe. Seine vielfältigen Forschungsarbeiten reichten von der Erforschung exotischer, sehr leichter Kerne bis hin zu den superschweren Kernen und berührten dabei sowohl grundlegende physikalische Fragstellungen als auch praktische Anwendungen. Er schuf wichtige Grundlagen für den Ausbau der GSI-Anlagen, prägte das wissenschaftliche Programm am Super-FRS, wirkte am Design der neuen Apparaturen mit und initiierte die Gründung der NUSTAR-Kollaboration an FAIR.

Während seiner Zeit bei GSI leistete er entscheidende Beiträge zur Entdeckung der superschweren Elemente und war an der Justus-Liebig-Universität in Gießen federführend am Design und der Konstruktion des Geschwindigkeitsfilters SHIP beteiligt. Er war Leiter der SHIP-Experiment-Gruppe zur Synthese der neuen chemischen Elemente Bohrium, Hassium und Meitnerium und als Mitglied des Entdeckerteams maßgeblich an der Synthese der Elemente Darmstadtium, Roentgenium und Copernicium beteiligt. Zudem war Münzenberg Mitentdecker der doppelt magischen Kerne Zinn-100 und Nickel-78 sowie des Protonen-Halos in Bor-8. Weiterhin führte sein wissenschaftliches Engagement zur Entdeckung von über 220 neuen Isotopen und mehr als 350 neuen Massenmessungen verschiedener Isotope.

Gottfried Münzenberg hat sich als Professor für Experimentalphysik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und als Leiter der Abteilungen Kernstruktur und Kernchemie bei GSI internationales Ansehen erworben. Er zeichnete sich als Wegbereiter zahlreicher internationaler Kooperationen aus und engagierte sich leidenschaftlich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen erhielt Professor Münzenberg zahlreiche hochrangige Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den Röntgenpreis der Justus-Liebig-Universität in Gießen, den Physikpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, den Otto-Hahn-Preis der Stadt Frankfurt, die Goldmedaille der Comenius Universität in Bratislava, die SUNAMCO-Medaille der IUPAP, den Lise Meitner Preis der European Physical Society und die Ehrenmedaille der Hellenic Nuclear Physics Society.

GSI und FAIR werden Gottfried Münzenberg als herausragenden Wissenschaftler, geschätzten Impulsgeber, vor allem aber als einen großartigen Menschen voller Herzlichkeit und mit einem unvergleichlichen Sinn für geistreichen Humor in bleibender Erinnerung behalten. Seine Klugheit, Wärme und Freundschaft bleiben für Kollegen und Freunde unvergesslich. Das Management von GSI/FAIR spricht seiner Familie sein tief empfundenes Beileid aus.

Gottfried Münzenberg

Die Mitarbeitenden des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung trauern um

Professor Dr. Dr. h.c. Rudolf Bock

* 21.5.1927 † 9.4.2024

der nach einem reichen und erfüllten Leben im Alter von 96 Jahren verstorben ist.

Prof. Bock gehörte 1969 zu den Gründungsvätern der GSI. Bis zu seiner Emeritierung 1995 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Direktoriums der GSI und hat in dieser Funktion das wissenschaftliche Profil der GSI maßgeblich mitgeprägt. Als GSI-Bereichsleiter verfolgte er den Forschungsschwerpunkt "Schwerionenreaktionen" bei mittleren und relativistischen Energien mit Experimenten an den GSI-Beschleunigern, am Berkeley Bevalac und am CERN. In den 1980er Jahren gehörte er zu den Initiatoren und Pionieren des Schwerionenprogramms bei ultrarelativistischen Energien am CERN. Zusätzlich zu seinem Engagement für die kernphysikalische Grundlagenforschung initiierte und prägte Prof. Bock das anwendungsorientierte GSI-Forschungsprogramm zur Trägheitsfusion und Plasmaphysik bei hohen Dichten. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten baute Prof. Bock zahlreiche neue Forschungskooperationen mit Instituten im In- und Ausland auf und trug wesentlich zur Internationalisierung der GSI-Forschung bei. Selbst noch Kriegsteilnehmer, war ihm der Gedanke der Völkerverständigung und Friedenssicherung ein wichtiges Anliegen. Für seine wissenschaftlichen Leistungen und seine Verdienste um die Förderung der internationalen Zusammenarbeit erhielt Prof. Bock zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland.

Prof. Bock hat in seinem langen und erfolgreichen Forscherleben die Basis für die wissenschaftliche Arbeit und den Werdegang vieler nachfolgender Forscher*innen bereitet.

Bis zuletzt war er regelmäßig bei GSI präsent und hat sich für die aktuellen Forschungsthemen und Entwicklungen auf dem Campus interessiert. Sein Rat und seine Weitsicht werden in Zukunft fehlen.

Die GSI nimmt mit großem Dank und Respekt Abschied von ihrem Gründungsvater Rudolf Bock. Seiner Familie gilt unser tiefes Mitgefühl.

Rudolf Bock