Auf der DPG-Frühjahrstagung 2026 in Erlangen wurde deutlich, dass die internationale Gemeinschaft der Kern- und Teilchenphysik mit einem klaren Kompass in die Zukunft blickt. Im Zentrum dieser Vision steht das umfassende White Paper mit dem Titel „Hadron Physics Opportunities at FAIR“, das als fundierter Leitfaden für das nächste Jahrzehnt der Forschung an der GSI und der Facility for Antiproton and Ion Research (FAIR) dient. Auf rund 270 Seiten wird die Expertise von über 100 Mitwirkenden gebündelt, dies markiert einen Meilenstein in der Identifizierung vielversprechender Themen für ein langfristiges, hadrongetriebenes Physikprogramm. Die wissenschaftliche Relevanz dieses Dokuments wird durch die starke Befürwortung des GSI-Zentrums-Evaluierungskomitees vom Mai 2025 sowie die offizielle Endorsement durch den FAIR Joint Scientific Council im Oktober 2025 unterstrichen.
Das primäre Ziel des QCD at FAIR-Programms ist es, die Geheimnisse der Starken Wechselwirkung über verschiedene wissenschaftliche Communities und experimentelle Anlagen hinweg zu entschlüsseln. Dabei steht die fundamentale Frage im Vordergrund, wie sich QCD-Materie über verschiedene Phasen hinweg verhält und welche Mechanismen zu Phänomenen wie dem Farbeinschluss (Color Confinement) oder der Entstehung der Hadronenmasse führen.
Strategisch setzt das White Paper auf einen koordinierten Stufenplan, der die bestehenden und zukünftigen Beschleunigerkapazitäten optimal nutzt. Den Ausgangspunkt bildet die Gegenwart am SIS18, wo das HADES-Experiment bereits heute präzise Daten zur elektromagnetischen Struktur von Materie und zur Zusammensetzung von Hadronen liefert. Insbesondere die Nutzung von Pionenstrahlen zur Untersuchung von Baryon-Resonanzen ist hier hervorzuheben. In naher Zukunft wird der Fokus auf den SIS100-Beschleuniger und das CBM-Experiment rücken, um Materie bei extremen Baryonendichten zu erforschen, wie sie in Neutronensternen vorkommen. Den krönenden Abschluss der Roadmap bildet die Nutzung des HESR-Speicherrings, an dem das PANDA-Experiment mit Antiprotonenstrahlen die Hadronenspektroskopie im Charm-Quark-Bereich mit unerreichter Präzision vorantreiben wird. Durch diese integrative Strategie verbindet das „QCD at FAIR“-Programm die Untersuchung von Vielteilchendynamik, Hadronenstruktur und der Produktion exotischer Materieformen zu einem einzigartigen Forschungsvorhaben.
Das Whitepaper findet man als pre-print unter arXiv:2512.15986.

